Was ist die Schematherapie?

Die Schematherapie ist im Prinzip die kleine Schwester der Verhaltenstherapie. Sie tritt auf die Bühne, wenn sie tief sitzende unerwünschte Verhaltensmuster in der Kindheit vermutet und diese sichtbar machen möchte, um dann mit dem Prozess der Veränderung starten zu können.

Wie entstehen psychische Probleme nach der Schema-Theorie?

Nach der Schematherapie entstehen ungünstige Verhaltensmuster im Jetzt, weil wichtige Grundbedürfnisse in der Kindheit von Bezugspersonen gar nicht oder nur unzureichend erfüllt wurden.

 

Die Schematherapie nach J. Young geht davon aus, dass jeder Mensch 5 psychologischen Grundbedürfnisse hat.

 

Die 5 Grundbedürfnisse sind:

  1. Sichere Bindung und Schutz
    Emotionale Sicherheit, Stabilität, Vertrauen und Geborgenheit in Beziehungen.
  2. Autonomie, Kompetenz und Identität
    Sich als eigenständige Person zu erleben, Dinge selbstständig meistern und Entscheidungen treffen.
  3. Freiheit, Bedürfnisse und Gefühle auszudrücken
    Die eigene Meinung äußern zu dürfen und mit den eigenen Emotionen gehört und ernst genommen zu werden.
  4. Spontaneität und Spiel
    Freude, Spaß, Erholung, Kreativität und unbeschwerter Aktivität.
  5. Realistische Grenzen und Orientierung
    Klare Regeln, Struktur und Führung durch Bezugspersonen, um ein gesundes Sozialverhalten und Impulskontrolle zu erlernen.

Die These der Schematherapie

Werden diese Grundbedürfnisse in der Kindheit nicht ausreichend erfüllt, entstehen ungünstige Lebensmuster, die zu Schwierigkeiten im Lebensumfeld mit Bezugspersonen führen und so psychische Beschwerdebilder nach sich ziehen können.

Was sind Modi in der Schematherapie?

Nach der Theorie von J. Young gibt es sogenannte Modi, innerhalb der sich der Mensch entsprechend wie in einer Rolle verhält. Der oder die Betroffene agiert entsprechend seinem aktivierten Modus.

 

Die Modi sind:

  • »Das verletzte Kind«
  • »Das wütende Kind«
  • »Das glückliche Kind«
  • »Der gesunde Erwachsene«

Je nach aktiviertem Modus kann sich eine Trigger-Situation ungünstig für den Betroffenen anfühlen oder günstig. In der Schematherapie stärkten wir die Modi »Das glückliche Kind« und »Der gesunde Erwachsene« - mit dem Ziel: Die Bedürfnisse des verletzten und /oder wütendem Kind immer schneller gut zu erkennen und verlässlich zu versorgen. Die gelernten ungünstigen Bewältigungs-Strategien können so immer mehr und mehr in den Hintergrund treten - und Platz machen für: »Das glückliche Kind«,

Wie ist der Ablauf Schematherapie?

In der Schematherapie finden Patient:in und Therapeut:in die ungünstigen Schemata bzw. Modi heraus, die dazu führen, dass es immer wieder zu bestimmten, ungünstigen Verhaltensweisen kommt. Der Therapeut erkennt dabei an, dass das bisherige Verhalten der bestmögliche Lösungsversuch für den Patienten war, um seine Grundbedürfnisse zu befriedigen und arbeitet gemeinsam mit der Patient:in daran, dass die gesunden Anteile »Das glückliche Kind« und »Der gesunde Erwachsene» Schritt für Schritt mehr Raum einnehmen und dafür sorgen, dass ein Leben ohne Anhaftung an alte verletzte Kindheits-Muster möglich wird.